Fitness war gestern – Die Revolution der Bewegung durch Movement Training

Der Fitnessmarkt boomt wie nie zuvor. Nie war der Gedanke von körperlicher Betätigung präsenter als in dieser Zeit. Mit technischer Unterstützung am Oberarm wird regelmässig gejoggt, 3-4 Mal die Woche gehts ab ins Fitness-Studio – 3er Split, Leg-Day usw. Heute möchte ich dir eine Form von Training vorstellen, die das Potenzial hat den Markt zu revoltutionieren –  das Movement Training.

Leider hat dieses Fitness-Konzept auch seine Nachteile: Übungen werden nicht richtig ausgeführt, Gelenke und Muskeln werden überstrapaziert, weil es auch leider oft zum „Müssen“ und „Sollten“ wird. Das schlimmste dabei ist dann oft auch, dass wir den Spass an der Bewegung verlieren. Doch warum machen wir das alles eigentlich?

Oft werden hier oberflächliche Ziele genannt, geprägt von Ästhetik á la „Der Bauch muss weg und das Sixpack her.“  Am besten noch vor dem nächsten Strandurlaub. Wer darunter leidet ist unser Körper und unsere Bewegung. Was wir in der heutigen Zeit wieder brauchen ist mehr Körperbewusstsein, mehr Balance und ein natürlichere Form von Bewegung.

 

„Fitness is small, small world in the universe of movement“ – Ido Portal

 

Ich bevorzuge daher eine Variante des Trainings, die mir mehr Freiheit schenkt sowohl in meiner Bewegung als auch in meinem Denken. Training sollte Spass machen und mich auf natürliche Weise herausfordern. Ich will ausserdem mehr Mobilität, Kraft und Widerstandsfähigkeit erreichen. Da kommt das „Movement Training“ nach Ido Portal ins Spiel.

Ido Portal ist ein israelischer Movement-Trainer. Gelangweilt davon wie Bewegung zu seiner Zeit unterrichtet wurde, bereiste er die ganze Welt auf der Suche nach einem Movement-Lehrer. Dabei erforschte er voller Besessenheit die Physik des menschlichen Körpers. Ido meisterte verschiedener Kampfkünste wie Capoeira oder BJJ und lernte von vielen Spezialisten wie Athleten, Tänzern und Yogis alles über die Bewegung des menschlichen Körpers. Ausserdem bildet er sich in Ernährung, Anatomie und Gesundheit weiter. Nur das eine Ziel vor den Augen – selber zu dem Lehrer zu werden, den er niemals gefunden hat. Nun gibt er seine Movement-Workshops überall auf der Welt und begeistert jeden Tag Tausende mit der „Ido Portal Method“. Ihm gelang damit das Kreieren einer grossen Community, welche genauso besessen von Bewegung ist wie er. Einen Practitioner von Ido Portal habe ich exklusiv auf dem Mindful Uprgrade Podcast geholt. Höre dir HIER das Interview mit Cem Ygit an.

 

Es geht also um die Wiederentdeckung des Körpers. Wie lang kann ich in der tiefen Hocke bleiben? Der Squat, welcher ja eine natürliche Position darstellt, in der Menschen früher (in asiatischen Ländern sogar heute noch) über einen längeren Zeitraum ausharren konnten ohne Probleme. CHALLENGE: Steh jetzt auf und versuch genau jetzt ein mal 2 Minuten am Stück in der Hocke zu sitzen!

Als wir noch Kinder waren, war die Hocke noch kein Problem

Du siehst, dass das garnicht so einfach ist, die Beine schmerzen, vielleicht kommst du auch garnicht so weit runter mit beiden Fersen am Boden. Das alleine ist ein Resultat von mangelnder Bewegung. Ich spreche da aus Erfahrung, mittlerweile fällt mir der Squat wesentlich leichter. Genauso geht es darum, die Beweglichkeit, Koordination und Kraft mehr zu fördern als das ein stumpfes „HOAH“ an der Beinpresse tut.

 

DAS MOVEMENT TRAINING NACH IDO PORTAL

 

Genau darauf zielt das Movement Training – dieses grosse Potenzial an Bewegungen, zu denen der menschliche Körper fähig ist, voll auszuschöpfen. Die oben genannte Ästhetik ist hierbei eine schöne Begleiterscheinung jedoch nicht der Zweck der Sache. In dieser Form des Trainings geht es also weniger darum Bewegung irgendwie künstlich in unser Leben zu integrieren, sondern vielmehr darum Bewegung als Teil unseres Lebens wahrzunehmen und zu praktizieren. Dabei ist ein Ziel des Movement Trainings Generalisten auszubilden, welche im Gegenteil zu Spezialisten in mehreren Bewegungsarten gut sind, sei es im Tanz, der Kampfkunst, Fussball usw. Du wirst zum „Homo Motus“ – der Mensch, der sich bewegt.

Spielerisch inspirierte Bewegung für zu effektiverem Lernen und macht Spass.

Auch das Spielerische darf dabei nicht verloren gehen, daher auch der Affe im Logo von Ido Portal. Denn auf diese Art und Weise lernen wir schneller und unser Unterbewusstsein ist empfänglicher für neue Bewegungen und Abläufe. Als ich das erste mal mit dieser Art zu trainieren in Verbindung kam durch einen Movement-Teacher und guten Freund in Zürich, haben wir die ersten 20 Min mit Tennisbällen gespielt und sind danach wie Tiere auf dem Boden rumgekrabbelt (das nennt sich übrigens „Locomotion“). Ich habe geschwitzt und alle meine Muskeln wurden total beansprucht, was ich auch in den nächsten Tagen noch merkte.

 

Doch du fragst dich jetzt vielleicht, wie so ein Training normalerweise aussieht. Erstmal musst du von dem Gedanken wegkommen, irgendwo hinzugehen, um zu trainieren. Movement Training fängt in deinem Alltag an. Nimmst du die Rolltreppe oder sprintest du die Treppe hoch? Setzt du dich auf die Bank und wartest auf den Bus oder wartest du ab und zu vielleicht im Squat? Hast du eine Morgenroutine? Ich hänge jeden Tag erstmal nach dem Aufstehen für 1 Minute an den Gymnastikringen, was sich unter anderem positiv auf meine Wirbelsäule und Haltung auswirkt, dann springe ich auf dem Trampolin und shake (schüttele meinen ganzen Körper aus). Danach mache ich „Ido’s Squat-Routine“, die ihr auch unter demselben Stichwort bei YouTube findet.

 

„Squat to wait for someone instead of sitting.“ -Ido Portal

Das Training ist dann mehr ein Weiterentwickeln meiner Fähigkeiten und Veranschaulichen neuer Movement-Patterns (Bewegungsmuster). Durch Partner-Übungen wird das Erlernte auf spielerische Art und Weise getestet, sowie Pro- und Reaktion geübt. Der Teacher schaut dabei, ob die Bewegungen gesund ausgeführt werden und steht mit Rat und Tat zur Seite, um das Potenzial noch mehr auszuschöpfen. Weitere Elemente sind Handstand-Training, Balance- und Koordinationsübungen, aber auch das Lösen bestimmter Aufgaben bewegungstechnischer Natur. Auch beinhaltet das Training viele neuartige Konzepte nach Ido Portal wie beispielsweise die Technik des „Improper Alignment“ (unsachgemässe Ausrichtung), wo bewusst „falsche Bewegungen“ ausgeführt werden, um Muskeln und Gelenke besser auf versehentlich fehlerhafte Bewegungsabläufe vorzubereiten.

 

MOVEMENT CULTURE – TREND ODER LEBENSEINSTELLUNG?

 

Ich praktiziere Movement, als Trainingsmethode, jetzt etwas mehr als 1 Jahr und ich liebe es. Ich bin nicht nur beweglicher als vorher, auch meine Einstellung zur Bewegung hat sich geändert. Ich balanciere auf Geländern im Park oder klettere auf Bäume. Das aktiviert wieder die kindliche Verspieltheit in mir und lässt mich mehr aus Intuition und Herz heraus handeln. Ich bin der Meinung, dass sich diese Art seinen Körper fit und gesund zu halten langfristig durchsetzen wird. Mich als Biohacker erfreut es natürlich, dass die “Movement Culture“ viele Menschen anspricht und sie dazu inspiriert ihr Leben mehr der Gesundheit und Selbstliebe zu widmen.

 

„Unsere Bewegung ist beschränkt, die Schranke ist beweglich.“ – Manfred Hinrich

In den letzten Jahren bemerkt man auch, dass dieser Trend sichtbarer wird und sich immer weiter verbreitet. Nachdem sogar der berühmte UFC Fighter Conor McGregor nach der „Ido Portal Method“ trainiert und sich Ido als eine Art Personal Trainer schnappte, wurden auch die Medien auf diese Trend-Bewegung aufmerksam. Vor allem weil sich erkennen lässt, welchen Einfluss das Movement Training auf Conor’s Kampfweise hatte. Nun ist Ido Portal zu Gast in unzähligen Podcasts und TV-Shows und erklärt sein Verständnis menschlicher Bewegung.

 

Immer mehr Menschen stellen nun fest, dass dem typischen Fitnesstraining etwas fehlt. In New York schafft man mit dem „Brooklyn Zoo“ nun ein neuartiges Konzept, wo fast ausschliesslich frei mit dem eigenen Körper trainiert werden kann. Geprägt von Parcours-Elementen, Ringen, Stangen und Seilen wird dort ein Raum geschaffen für alle Bewegungsfanatiker und solche die es werden wollen.

„Brooklyn Zoo“ New York

 

BEWUSSTE BEWEGUNG

 

Leider führen wir aktuell noch ein Krieg gegen Bewegung. Für jeden Einkauf setzt man sich ins Auto, im Job sitzen wir über 80% der Zeit und am Abend knallen wir uns aufs Sofa. Dazu kommt noch, dass wir diese unkreativen Bewegungsabläufe auch benutzen, um unseren Körper zu trainieren. Das schönste Beispiel ist da mit dem Auto ins Fitness-Studio zu fahren und dann Zeitung lesend auf dem Cardio-Fahrrad strampeln. Der Weg da raus ist bewusste Bewegung wieder mehr in den Alltag zu integrieren, neue Bewegungsmuster lernen und anwenden, mehr Spiel in unserem Leben zu zulassen und wieder natürliche Körperpositionen und Bewegungsmuster nutzen. Das heisst mehr in der Hocke warten, auf dem Boden sitzen, hängen, strecken und dehnen, wann und wo es geht. Aber auch kleine Bewegung sind wichtig, wie die der Augen zum Beispiel, die wir trainieren können in dem wir mehr in die Ferne schauen, statt nur noch auf unsere Smartphones und Laptops. Wie du mehr Bewegung in deinen Alltag integrieren kannst erfährst du in dieser Podcastfolge.

 

Ich für meinen Teil will noch tiefer in diese aufregende Kultur eintauchen, meinen Körper erforschen und richtig pflegen, damit er mir lange voll funktionsfähig erhalten bleibt. Ein Movement-Workshop mit Ido Portal steht definitiv auf der To-Do-List. Ich hab das Movement als für mich perfekte Art meinen Körper zu beanspruchen entdeckt. Es macht mir Spass mich auf diese Weise herauszufordern und neues zu lernen. Am wichtigsten ist, dass sich durch die Bewegung im Äusseren auch in mir drin viel bewegt. Ich werde beweglicher in meinem Denken kann man sagen, treffe leichter Entscheidungen und manifestiere meine Ziele effektiver. It’s all connected.

 

Wenn dich das interessiert und du mehr darüber erfahren möchtest hau mich ruhig an oder gib bei YouTube einfach mal „Ido Portal“ ein und du wirst viel inspirierendes Material über die „Movement Culture“ finden. Er gibt ausserdem regelmässig Workshops und seine Schüler sind auf der ganzen Welt verteilt. Vielleicht gibt es ja sogar einen in deiner Nähe.

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